Sri Lanka

Tropen Tempel Teeplantagen

NDR | 05.05.2022
mare TV

Für die einen ist es die Insel der Teetrinker und Müßiggänger. Für die anderen liegt hier das Paradies der Abenteurer und Entdecker. Recht haben sie alle: Auf Sri Lanka muss niemand weit fahren, um in völlig andere Welten einzutauchen. Vorausgesetzt, es geht gerade mal voran auf der Insel: Sich durch den Verkehr zu manövrieren, gehört zu den besonderen Herausforderungen auf dem Eiland im Indischen Ozean.

 

Der Film zeigt den bunten Alltag auf der Tropeninsel. Wer an den Küsten Sri Lankas wohnt, sollte improvisieren können, um gut zu leben. So manche Insulanern und so mancher Insulaner geht einer ungewöhnlichen Arbeit nach, um die Familie zu versorgen.

 

Auf Sri Lanka sind Menschen wie Uditha daheim. Er ist Palmenkletterer. Zweimal täglich erklimmt der drahtige Mann die Wipfel der Bäume, um dort Palmwein abzuzapfen, den sogenannten ‚Toddy‘. Diesen Saft der Pflanzen verkauft er an lokale Schnaps-Hersteller, die daraus hochprozentigen Arrak machen, den sie rund um die Welt verkaufen. Udithas Job ist schlecht bezahlt und gefährlich. Jedes Jahr sterben einige Toddy-Kletterer. So wie Udithas Onkel, der vor wenigen Monaten abstürzte und sein Leben unter einer Palme ließ.

Anura ist Fischer. Offiziell jedenfalls. Und einer der am häufigsten fotografierten Menschen von Sri Lanka. Denn seine Art zu fischen ist ikonisch für die tropische Insel geworden: Er klettert auf Stelzen, die am Ufer im Meeresboden stecken. Dort hockt er dann – solange jemand dafür zahlt. Anura ist nicht auf der Jagd nach Fischen, sondern nach Touristen. Seine Kundschaft will kein Meeresgetier kaufen, sie will nur Fotos oder Videos. Und die Touristen zahlen gut. So gut, dass die wenigen Stelzenfischer von Sri Lanka ihren eigentlichen Beruf als Fischer längst aufgegeben haben, falls sie jemals echte Fischer gewesen sind.

Herman Gunaratne ist Plantagenbesitzer. Ein echter sogar. Und hat sich schon vor 50 Jahren um die Pflanzen gekümmert, als Sri Lanka offiziell noch Ceylon hieß. Auf seiner Plantage am Meer wächst vor allem teurer Tee. Natürlich pflückt ihn Herman nicht selbst. Er lässt pflücken. Von ausgesuchten Sammlerinnen: Gerade mal vier Angestellte dürfen den exklusiven Weißen Tee ernten. Ein Luxusprodukt, dass niemals von bloßer Menschenhand berührt werden darf, bevor es bei der Kundschaft landet. Jedes Teeblatt wird einzeln mit goldenen Scheren vom Busch geschnitten.

Deutlich robuster geht es bei Pradeep zu. Er ist Schaffner auf der legendären „Queen of the Sea Line“, auf der Bahnlinie im Südwesten Sri Lankas. Zehntausende Pendler sind täglich in den betagten Zügen unterwegs. Ohne die Queen würde das öffentliche Leben rund um die Hauptstadt zusammenbrechen. Und ohne innere Ruhe könnte Pradeep nicht als Schaffner arbeiten. Sein Arbeitsplatz in den ständig überfüllten Zügen würden jedem europäischen Sicherheits-Inspekteur den Schlaf rauben. Dafür ist die Aussicht grandios: Es geht immer an der Küste entlang.

Einen der ruhigsten Arbeitsplätze auf Sri Lanka hat Arran John Sivarajah. Er ist Spurensucher im riesigen Yala Nationalpark und hat sich auf scheue Leoparden und Elefanten spezialisiert. Mit seinen Beobachtungen unterstützt der Wildlife-Experte die Arbeit von Wildhütern und Wissenschaftlern. Von Prithiviraj Fernando zum Beispiel, dem bekanntesten Elefantenforscher Sri Lankas. Seit Jahren versucht der Mediziner das Zusammenleben von Mensch und Tier zu verbessern. Regelmäßig kommt es zu tödlichen Zwischenfällen, wenn Elefanten mal wieder die Ernte der Kleinbauern fressen.

Auch Anulawathie versucht, das Leben auf Sri Lanka zu verbessern. Sie ist eine der wenigen berufstätigen Frauen auf Sri Lanka und vermietet Gummischläuche für Autos. Nicht zum Fahren, sondern zum Schwimmen. Seit 16 Jahren betreibt sie jetzt ihren mobilen Shop am Strand. Angefangen hat sie mit zwei ramponierten Altschläuchen. Mittlerweile hat sie ein paar Dutzend geflickte Exemplare, mit denen sich Badegäste über Wasser halten können.

Was der Film nicht zeigt:

Die unübersehbaren Schattenseiten des Inselalltags. Ich habe das Projekt nach der ersten Schnittfassung abgegeben, weil ich mit der redaktionell erwünschten Ausrichtung des Films nicht einverstanden bin.

 

Buch + Regie: Sven Jaax | u.a.

Kamera: Dragomir Radosavljevic | u.a.

Ton: Sebastian Richter | u.a.

Produktion: NDR | nonfictionplanet

Premiere: 2022